Echos des „Schwarzen Protests"

przez Helen Lewis

Dr. Sławomira Walczewska (links) und Izabela Peter - DPG

Als Beitrag zur "Europawoche" hat die Deutsch-Polnische Gesellschaft Sachsen-Anhalt am 9. Mai 2017 um 17:30 ins EineWeltHaus zum Treffen mit der Philosophin, Feministin, Autorin und Publizistin, Dr. Sławomira Walczewska aus Krakau, eingeladen.

Im ersten Teil konnte man über die Auslöser des „Schwarzen Protests" - bekannt auch als „Schwarzer Marsch" am 3. Oktober 2016, erfahren: Die Polinnen, unabhängig von der Religion oder Weltanschauung, haben sich spontan organisiert, um gegen die Verschärfung des seit 1993 geltenden restriktiven Abtreibungsgesetzes zu protestieren. In vielen Städten sind die Frauen, schwarz angezogen und mit schwarzen Regenschirmen „bewaffnet", auf die Straßen gegangen. Viele haben ihre Profilfotos auf Facebook in schwarz-weiß geändert oder ihre Fotos in schwarzer Kleidung gepostet. Es war ein unmissverständliches Signal an die Abgeordneten des polnischen Parlaments und an die Politklasse, dass die Frauen in Polen bei bestimmten Themen eine klare Grenze ziehen, die man nicht überschreiten soll, wenn man bei den nächsten Wahlen nicht untergehen möchte.

Laut Statistik gab es 1988 in Polen etwa 100.000 Abtreibungen, im Jahr 1994 dagegen nur 700. Das bedeutet, dass die Abtreibungen im „Untergrund" und im Ausland durchgeführt werden. Auf jeden Fall erfasst die offizielle Statistik nicht mal jede zehnte Abtreibung.

Seit längerer Zeit versuchten unterschiedliche Gruppen und Vereine, eine weitere Verschärfung des Abtreibungsrechts in Polen durchzusetzen, das bereits zu den schärfsten in Europa gehört. Selbst die tragisch verstorbene Präsidentengattin Maria Kaczyńska hat sich gegen jegliche Eingriffe in das geltende Abtreibungsrecht ausgesprochen, was heftige Reaktionen einiger Purpurträger nach sich zog. Der Urheber der vorgeschlagenen Gesetzesänderung, die polnische Frauen auf die Straßen trieb - die Stiftung "Ordo Iuris" - wird mit einer ominösen, aus Brasilien stammenden Bewegung „Tradition, Familie und Eigentum" in Verbindung gebracht, die selbst unter den kirchlichen Hierarchen als eine „pseudokatholische und fanatische" Sekte gilt.

Der Gesetzesentwurf der Stiftung „Ordo Iuris" wurde vom Sejm mit großer Stimmenmehrheit (352 dagegen, 52 dafür und 18 Enthaltungen), nach der zweiten Lesung am 6. Oktober 2016 abgeschmettert.

Die Oppositionsparteien in Polen haben versucht, den „Schwarzen Protest" der Frauen für ihre Zwecke zu missbrauchen und zu instrumentalisieren, was sicher nicht im Sinne der Frauenbewegung war und könnte der Sache unter Umständen schaden.

EineWeltHaus Magdeburg 9 maja 2017

Im zweiten Teil des Abends beantwortete Frau Walczewska mehrere Fragen aus dem Publikum. Einige dieser Fragen zeigen sehr deutlich das große Interesse, aber auch riesige Wissenslücken, was die Verhältnisse in Polen angeht. Hier gibt es noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Art und Weise der Berichterstattung über Polen in den deutschen Medien haben wir bereits mehrmals thematisiert... Darum ist es richtig und wichtig, dass polnischen Intelektuellen die Bühne angeboten wird, um die Vorurteile zu bekämpfen.

Unter vielen Aspekten der Frauenbewegung, die nicht nur für Gleichberechtigung und Frauenrechte kämpft, sondern sich auch aktiv gegen Gewalt und Unterdrückung von Frauen weltweit einsetzt, ist der gesellschaftliche nicht zu unterschätzen.

Der Anteil der Frauen in den Entscheidungsgremien bleibt verhältnismäßig niedrig und dieses Phänomen lässt sich nur schwer beseitigen. Auch die Frauengehälter sind im außertariflichen Bereich, sowohl in Polen, als auch in Deutschland, um ca. 20% niedriger. Was die Rechte der Frauen angeht, so stehen die Damen vor riesigen Aufgaben und vor einem langen Kampf.

Frauenorganisationen können zur Stärkung der bürgerlichen Gesellschaft - nicht nur in Polen - beitragen und wichtige politische Rolle spielen. Mittlerweile tritt auf den ersten Plan eine neue Generation von selbstbewussten, aktiven Frauen und Mädchen. Es werden internationale Kontakte geknüpft und Erfahrungen ausgetauscht.

Die Versuche, einen Frauenstreik in Deutschland zu organisieren, um gegen die Missstände hierzulande zu protestieren, wie z.B. die bereits erwähnte ungleiche Bezahlung oder Eingriffe der Jugendämter ins Familienleben, sind bisher erfolglos geblieben.

Zweifelsohne haben wir mit einem komplizierten Themenbereich zu tun. Bei den oft emotional geführten Diskussionen kommt immer wieder die paradoxe Denkweise der verschiedenen Gruppierungen ans Licht. Zum Beispiel sind die Gegner der Todesstrafe gleichzeitig für den einfachen Schwangerschaftsabbruch, und diejenigen, die sich für die Verschärfung des Abtreibungsrechts, unter dem Motto „die Kinder sind am wichtigsten" einsetzen, sich wiederum gegen die künstliche Befruchtung stellen. Auch die Wertung des Lebens lässt leider die einfache Logik vermissen.

Dazu auch in Polnisch:

http://wiadomosci.gazeta.pl/wiadomosci/7,114883,21802834,na-czarnym-protescie-zniewazono-znak-polski-walczacej-jest.html

http://zabrze.naszemiasto.pl/artykul/wyrok-dla-zabrzanskiej-nauczycielki-za-czarny-protest,4015721,artgal,t,id,tm.html

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